Das Fest

Samstagmorgen werden wir früh aus den Betten geholt, da bereits ein paar Damen vor der Tür warten. Sie wollen kochen und aufräumen, alles für das Fest vorbereiten. Von ihrer Hektik lassen wir uns allerdings nicht anstecken und genießen ein weiteres Mal ein ausgiebiges Frühstück. Auch Herr Marx, Anna und die Familie Gröger treffen ein.
Keine Panik, die 15 Kilo Fleisch und etwa 30 Kilo Gemüse werden schon noch rechtzeitig fertig werden. Die Frauen belagern die Küche, putzen unsere Töpfe doppelt und treiben uns auf Romanesk zum aufräumen an. Es wird Kaffee gekocht, an diesem Tag werden noch ganze 5 Packungen des schwarzen Goldes verbraucht werden. Er wird süß getrunken, sehr süß, zu süß. Bloß nicht noch zuckern, sonst kann man ihn als Soße zum Eis essen. So jetzt aber schnell die Zimmer aufräumen, denn der Staatssekretär kommt bald. Die einen räumen auf, die anderen schnippeln. Töpfe werden angekarrt, Feuer wird gemacht und Kohl herangeschafft, er riecht leicht streng. Das Fleisch wird gewürzt und zwei Mädchen von uns zum Rouladenmachen gerufen – die Männer müssen sich wiederum mit Federball begnügen. Wir kommen mit offenen Haaren und ungewaschenen Händen. Haare zu und Hände waschen! Die Roma-Frauen sind sehr bestimmt und dabei doppelt so herzlich. „Die haben richtig was hinter den Ohren“ ist unser Eindruck und der stimmt auch. Die Rouladen sind kleiner als die deutschen und werden zu tausenden in einem großen Topf überm Feuer gekocht.
IMG_2463
Der Hof sieht mittlerweile sehr gut aus und das Essen verströmt einen wunderbaren Duft. Schnell noch die Gurken schälen! Auch über die Sprachbarriere hinweg wird beim schnippeln sehr viel gelacht. Wir lernen Wörter wie Läusekopf und nennen unsere Nachbarin liebevoll „Mama“. Die Kinder sind natürlich auch da, was sonst? Alle packen mit an und die ersten Musiker kommen an. Ein Akkordeon, der uns bekannte Geiger, der Pianist aus der Kirche – Alle sind da. Die Grillschwaden wabern durch das Dorf und locken die Bewohner zu uns herein. Der Hof füllt sich langsam, die Plastikwerkstatt steht schön angerichtet da. Die bunten Mülleimer und Kinderstühle zieren den Raum, in dem Oscar, wie jeden Tag, seines Amtes waltet und aus Plastikmüll wunderbare Dinge fabriziert. Ohne dass wir es so richtig merken trifft schließlich auch der Staatssekretär ein und die Musik geht los. Die Klänge sind genauso ergreifend wie den Abend davor in der Kirche. Das Können dieser Musiker ist beeindruckend und wir horchen gebannt ihren Tönen.
IMG_2457
IMG_2546
Eine kurze Ansprache später, wird auch die Europafahne gehisst, der Fahnenmast wurde am Morgen noch schnell aufgebaut. Freude, Fotos, Tränen – nun ist es ganz offiziell. Die europäische Jugendbildungsstätte ist eingeweiht. Viele Fotos werden geschossen, von uns, von den Anderen, von allen.
IMG_2491
IMG_2502
Das Essen wird gereicht, es schmeckt vorzüglich, wie alles was hier im Dorf gekocht wird. „Kaffee, Kaffee!“. Kaffee, Speis und Trank; die Erwachsenen zuerst und dann die Kinder. Beim Kinderschminken werden wir fast überrannt und die ein oder andere Faust fliegt. Pädagogisch, wie wir sind, entwickeln wir die verschiedensten Anstellmodelle. Nummern verteilen, durchboxen oder auf der Bierbank in einer Reihe sitzen, alles funktioniert mehr oder weniger. „Spiderman, Lupo, Vampir, Prinzessin, Glitzer, ganz viel Glitzer“. Alle sind glücklich. Wir lauschen Marx, wie er uns die Geschichte der Harzer Straße 65 und des Projektes in Fântânele erzählt. Es ist sehr interessant, über die Hintergründe der Projekte zu hören und Fragen stellen zu können.
Langsam leert sich unser Garten und wir bemerken die Anstrengung des Tages in unseren Knochen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s